Dan Pagis - An beiden Ufern der Zeit

Ausgewählte Gedichte und Prosa, hebräisch-deutsch

Der Band  berücksichtigt und erweitert die vergriffene erste deutschsprachige Gedichtauswahl von 1990 (Die Krone der Schöpfung, 10. STRAELENER MANUSKRIPT im Zeitungsformat) und bringt zum ersten Mal in deutscher Übersetzung die große Prosa-Arbeit von Dan Pagis, Vater, an der er bis zu seinem Tod gearbeitet hat und die als Höhepunkt seines Schaffens gilt.

Er wird eine unverwechselbar eigene Stimme unter den israelischen Lyrikern bleiben - in vollendet schlichtem Hebräisch, in minimalistischer Sprache, nüchtern und meditativ zugleich Absurdem zur Wirklichkeit verhelfend, von sanfter (Selbst-)Ironie, die sich aber in den erstmals übersetzten nachgelassenen Prosastücken "Vater" auch zur autobiographischen Bitterkeit der Überlebenden verdichtet.
Die Auswahl umgreift ein breites Spektrum von Pagis' Schaffen. Das Buch ist außergewöhnlich schön gestaltet (Klaus Detjen). Somit rundum empfehlenswert.
Michael Brocke in KALONYMOS 4, 2003

Öffnen Sie die Leseprobe.

Bibliografische Informationen

  • Aus dem Hebräischen und mit einem Nachwort versehen von Anne Birkenhauer
  • Buchgestaltung Klaus Detjen
  • 128 Seiten, zweifarbig gedruckt, Leinenband mit Schutzumschlag, € 23,-
  • ISBN 3-89107-050-0 bzw. 978-3-89107-050-5

Biografie

Portrait von Dan Pagis
© Layle Silbert

DAN PAGIS gehört zu den bedeutendsten israelischen Lyrikern. Auch siebzehn Jahre nach seinem Tod werden seine Gedichte noch immer gehört und gelesen (die hebräische Gesamtausgabe hat die siebte Auflage erreicht). Er ist zum modernen Klassiker geworden.

Seine Gedichte sind von großer Anschaulichkeit und sprachlicher Präzision; Tuvia Rübner nannte sie »tageshell«. Umso deutlicher aber zeichnet sich hinter diesen Versen dunkel das Ungesagte ab. Ihr manchmal surrealer Humor, ihre Paradoxien führen jäh ins Unauflösbare. Und: Pagis ist ein Zeitreisender. Für ihn bilden Urzeit und Gegenwart, Tod und Leben nur die beiden Ufer unserer Zeit.

Dan Pagis wurde 1930 in Radautz, im damals rumänischen Teil der Bukowina geboren und wuchs bis zu seiner Deportation 1941 in einem deutschsprachigen Haus auf. Echos seiner Muttersprache finden sich immer wieder in seinem Werk. 1946 wanderte er nach Palästina ein. Er lernte erstaunlich schnell Hebräisch, studierte und lehrte schließlich in Jerusalem, aber auch u.a. in Harvard und Berkeley als Professor für mittelalterliche hebräische Dichtung. Dan Pagis starb 1986.