Fuad Rifka - Das Tal der Rituale

Ausgewählte Gedichte, arabisch-deutsch

Das Tal der Rituale versammelt Fuad Rifkas schönste Gedichte aus den letzten 15 Jahren, darunter eine Auswahl aus den seit langem vergriffenen Bänden Tagebuch eines Holzsammlers und Gedichte eines Indianers, die bereits Anfang der neunziger Jahre im Heiderhoff Verlag auf Deutsch erschienen, sowie drei jüngeren, noch unübersetzten Gedichtbänden.

Der Holzsammler, der Indianer, später der Samariter und der Sufi fungieren als Masken des naturverbundenen Dichters auf seiner ewigen Suche nach dem einen, in Klarheit und Einfachheit vollendeten Gedicht. Es sind Eremiten-Existenzen, unterwegs in einer kargen, elementaren Landschaft, in der alles wesentlich wird. Die einfache und konzentrierte Sprache dieser Gedichte wird von einer starken poetischen Spannung getragen.

Rifkas Weg zu dem einen, absoluten Gedicht dokumentiert sich hier durch eine zunehmende Verknappung und Läuterung der poetischen Mittel, was Rifka eine Sonderstellung unter den großen arabischen Dichtern der Gegenwart verleiht. Unterschwellig bleibt das Pathos der arabischen Poesie erhalten, doch verzichten diese Gedichte auf die traditionellen rhetorischen Mittel.

Die Vorstellung, der Dichter sei zugleich auch Prophet und Seher, reicht in vorislamische Zeit zurück; ein Rückgriff, der dem Dichter Fuad Rifka dank der intensiven Beschäftigung des Übersetzers Fuad Rifka mit Friedrich Hölderlin gelang. Die Rolle des Dichters, der Bleibendes stiftet, hat aber auch mit der verzweifelten politischen Lage und der entbehrten Freiheit zu tun. Ein Volk, so sagte Rifka in einem Interview der Neuen Zürcher Zeitung, das sein Wesen nicht ausdrücken könne, bleibe am Rand der Geschichte.

"Die Worte bekommen bei Fuad Rifka den Geschmack, den Geruch zurück, den sie einstmals auch bei uns hatten. Worte sind dann wie Instrumente; die einen Resonanzboden haben, lösen Schwingungen aus, so differenziert, dass sie sich im Wesentlichen jedem Versuch der Erklärung entziehen, wie immer große Kunst. Das Geheimnis dieser Gedichte, ihre Schönheit und Auskunft über das Leben, kann man nur genau in der Wortwahl und Wortfolge, in der sie geschrieben worden sind, wiederfinden. Und so muss man sie lesen, sie hören oder vorgelesen bekommen, am besten von Fuad Rifka selber."

Ingrid Bachér nach einer Lesung von Fuad Rifka

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Bibliografische Informationen

  • Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Stefan Weidner
  • Aus dem Arabischen von Ursula und Simon Yussuf Assaf sowie von Stefan Weidner
  • Buchgestaltung Klaus Detjen
  • 128 Seiten, durchgehend zweifarbig gedruckt, Leinenband mit Schutzumschlag. € 26,-
  • ISBN 3-89107-049-7

Diese erste, von der Stiftung Buchkunst prämierte Leinenausgabe ist vergriffen.
Zweite Auflage lieferbar als preiswerte Broschur, weiterhin durchgehend zweifarbig gedruckt

  • Fadenheftung, brosch., € 15,-
  • ISBN 3-89107-052-7 bzw. 978-3-89107-052-9

Eine wunderbare Ergänzung zu diesem Band bietet die neue Komposition von Klaus Hinrich Stahmer

Klaus Hinrich Stahmer: Gesänge eines Holzsammlers. Nach Gedichten von Fuad Rifka

  • Mit Fuad Rifka, Rezitation, arabisch
  • Horst Mendroch, Rezitation, deutsch
  • Pi-Hsien Chen, Klavier
  • Murat Çoskun, Rahmentrommel
  • Gilbert Yammine, Qanun

Eine Audio-CD von artist.cd - Eine Hörprobe finden Sie hier: www.klaushinrichstahmer.de

"Den roten Faden bilden die Gedichte des Libanesen Fuad Rifka, gelesen von ihm selbst und in deutscher Übersetzung. Dazwischen und teilweise als Begleitung Instrumentalsätze mit Klavier, Rahmentrommel und der arabischen Zither Qanun. Es ist eine nachdenkliche, stille Musik, angesiedelt zwischen Komposition (Klavier) und kompositorisch strukturierter Improvisation und passend zum melancholisch-verhaltenen Tonfall der Poetenstimme. Und zum Glück ohne den üblichen Polit- und Solidaritätskram. Texte und Musik wirken als Kunst, nicht als Sprachrohr."
Max Nyffeler, neue musikzeitung, November 2010

Biografie

© Stefan Trudewind

Fuad Rifka wurde 1930 in Syrien geboren, wuchs im Libanon auf, studierte in Beirut und wurde Mitbegründer der literarischen Avantgarde-Zeitschrift SHI'R . Er promovierte in Tübingen über die Ästhetik bei Heidegger und lehrte in Beirut Philosophie. Er übersetzte Hölderlin, Rilke, Trakl, Novalis und Goethe. »Die deutsche Lyrik«, sagte er, »ist ein Freund, mit dem ich ruhig im selben Haus wohnen kann.«

Für seine einzigartige Vermittlertätigkeit erhielt er im Herbst 2001 den Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und am 28. August 2010 die Goethe-Medaille in Weimar. Außerdem erhielt er zahlreiche internationale Lyrik-Preise. Fuad Rifka ist am 14. Mai 2011 gestorben.