Gerschon Ben-David
In den Wind werfen. Versuche um Metabarbarisches

Gedichte

Gerschon Ben-David, 1930 in Köln geboren als Georg Levkovitz, Sohn einer jüdischen Mutter, überlebte dort bei einer Pflegefamilie verborgen, machte sich bei Kriegsende auf die Suche nach seiner Mutter und wanderte 1947 als Waise illegal in Palästina ein. Abgeschnitten von seiner deutschen Sprache, begann er dort acht Jahre später, Gedichte auf Deutsch zu schreiben.

Aus Bruchstücken seiner deutschen Kindheit, aus traditionellen jüdischen Texten und aus den Stimmen von gleichaltrigen Überlebenden des damaligen »Kinderblocks« in Auschwitz, die er für ein Oral History-Projekt der Hebräischen Universität Jerusalem interviewte, schuf er sich eine eigene, hochpoetische Sprache.

Er starb 1976 in Jerusalem. Dieser Band, prämiert von der Stiftung Buchkunst als EINS DER SCHÖNSTEN BÜCHER 1995, fand anläßlich des 20. Todestags von Gerschon Ben-David auch in Israel große Beachtung.

Die typographische Gestaltung ist ein wesentlicher Bestandteil der Konzeption dieses Bandes: Zwei Bücher, ein deutsches, das »vorn« und ein hebräisches, das »hinten« aufgeschlagen wird, gehen auf einander zu; denn Ben-David gehört zu beiden Literaturen. Sie treffen sich im Jiskor, dem alten hebräischen Totengebet. Eine Schriftleiste mit Auszügen aus seinen Interviews, aus Akten des Auschwitzprozesses, aus der Bibel und dem Midrasch begleitet als Kommentar die Gedichte.

Vielschichtig, was hier alles hineinfließt, Biographisches, Politisches... Ein wunderbares Buch, schon vom Typographischen her, als Objekt - einfach fabelhaft. - WDR III

Bibliografische Informationen

  • Deutsch mit einer Übersetzung ins Hebräische von Abraham Huss und Essays von Susan Bernofsky und Anne Birkenhauer, hg. von Renate Birkenhauer und Otto Dov Kulka.
  • Buchgestaltung Klaus Detjen
  • 128 Seiten, Leinenband im Schuber, € 23,-
  • ISBN 3-89107-040-3 bzw. 978-3-89107-040-6